Was haben Husten und Probleme bei Hufbearbeitung/stellung/reinigung miteinander zu tun?

Ein schönes Fallbeispiel aus der Praxis: Pony, OS-Haltung, hustet stark seit 2 Wochen, Ventipulmin, hilft nicht, kein Auswurf, daher seit 3 Tagen Cortison, stark zehenweit, viel zu lange Zehen und ungleiche Seitenwände begünstigen die sehr starke zehenweite Stellung noch mehr. Bevor wir überhaupt zum Arbeiten anfangen können und ihm mit Übungen zum Brustkorb-Öffnen helfen können, muss ich ihm die Hufe korrigieren.... ("Der steht aber nicht so brav" meinte die Besitzerin).

Alleine das Stehen auf einem Vorderbein -> Hustenanfall, danach gehts ihm besser, gleichen Vorderhuf auf Bock vorziehen, er zieht das Bein sofort weg -> Hustenanfall, nach 1 Runde ruhigem langsamen Gehen, hebe ich vorsichtig Bein auf Bock, er zeigt mir dann, dass er das Bein lieber nach vorne über das andere Vorderein kreuzend stellen möchte, als gerade oder ausgestellt am Bock, auch ok -> ich stelle Bock stark nach rechts, sodass er das li Vobein übers re kreuzen kann -> er entspannt, ich höre ihn besser atmen und ich kann feilen. Beim rechten Vorderbein gleiche Prozedur, dazwischen immer eine Runde langsames Gehen, wenn er hustet. Bei den Hinterbeinen weniger Probleme, plötzlich hustet er wieder und hat einen enormen Auswurf sowohl aus Nase als auch aus Maul, erstmalig - endlich! Zur Kontrolle lass ich ihn ein wenig gehen mit jeweils 2 oder 3 Rechts- und Linkswendungen dabei, das löst erneut Husten aus (aber nicht mehr so krampfartig), der kleine Mann geht immer lockerer von Runde zu Runde und beginnt plötzlich zu schlecken und zu gähnen, dass einem das Herz aufgeht. Völlig entspannt!

Fazit: bei Husten Achtung beim Hufeheben (auch beim Auskratzen), Widersetzlichkeiten beim Beineheben durch das Verengen des Brustkorben durch die Schulterblattstellung z.B. oder Dehnung der Muskulatur und damit Auslösen eines Reizes bzw. Atemnot.

Übrigens, ich hatte überhaupt keine Probleme beim Bearbeiten, nachdem ich ihm gesagt habe, dass er mir ruhig zeigen dürfe, wie er das Beinchen halten möchte, und es ihm so nicht schmerzt, und ich brav gefolgt hab, waren wir die besten Freunde.


 

Galoppsprung verbessern - jeden Sprung rauslassen

Ich höre noch meine Trainerin erklären: "Du lässt den Sprung nicht raus, Du erstickst ihn, bevor er noch zur Durchführung kommt. Hilf dem Pferd und öffne die Tür im richtigen Moment, damit Du die Aufwärtstendenz unterstützt, nicht blockierst". Ich war einfach in der gleichen feinen Anlehnung geblieben, egal in welcher Phase des Galopps wir uns befanden. Mein Pferd hatte aber für den versammelten Galopp noch zuwenig Tragkraft entwickelt. Der Galopp fühlte sich angestrengt an, keine Leichtigkeit war zu erkennen. Ich war immer gerade in der Aufwärtsbewegung, wo der Kopf des Pferdes den höchsten Punkt erreich, immer ein Hindernis, gab in dieser Sekunde nicht einen Tick nach und war stattdessen versucht zu treiben. Doch durch diese widersprüchlichen Hilfen wurde es noch unharmonischer.

Tipp: in der Phase des Galopps, in der der Kopf des Pferdes die höchste Position erreicht, kurz BEIDE kleinen Finger öffnen (vielleicht auch um es zu verdeutlichen anfangs die ganze Faust, allerdings bleiben die Daumen jedoch auf den Zeigefinger und halten die Zügellänge), Sie werden ein besseres Durchspringen des Pferdes sofort erspüren. Ich verwende diese Technik auch, wenn ich das Pferd versammle und initiiere das Nachgeben mit den kleinen Fingern für 2-3 Galoppsprünge einen Tick später nach mit gleichzeitig etwas stärkeren Impuls des Schenkels. Das Pferd wird diesen neuen Takt zu erreichen suchen und sich dadurch mehr versammeln. Anfangs gelingt vielleicht nur wenig, aber bitte damit zufriedengeben und beim ersten Anzeichen von mehr Versammlung loben! Der Aufgalopp wird deutlicher und ich gebe nach Erreichen der höheren Versammlung sofort wieder zum gewohnten Zeitpunkt, Kopf an höchster Stelle, nach. Da dies für das Pferd sowohl mental als auch körperlich anstrengend ist, nur kurze Reprisen mit genügend Pause dazwischen. So bleibt der Wille und die physische Möglichkeit, es auch durchführen zu können, erhalten.


 

"Schönheitsfehler" Zähneknirschen

Da es mir gestern wieder so deutlich aufgefallen ist, Zähneknirschen ist immer ein Zeichen für physische und/oder psychische Überforderung und darf nicht ignoriert werden. Ich versuche tunlichst, diese Stresssituation zu vermeiden und nutze dieses Signal als Diagnose, welche Bewegungen für das Pferd schmerzhaft sind und wende zur Lösung möglicherweise sehr abgeschwächt klassische Dressurlektionen an, um dem Pferd in dem entsprechenden Bereich durch oftmalige Pause und leichteste Anwendung der Lektion letztendlich Entspannung zu verschaffen.

 

Zähneknirschen ist ein Hilfeschrei Ihres Pferdes - bitte ignorieren Sie ihn nicht.


 

Zu zeitnahe Behandlungen - Schaden oder Nutzen

Eine Anregung, weil zuviel bzw. zu zeitnahe Behandlungen oft eher schaden als nützen:

Nach einer chiropraktischen oder osteopathischen Behandlungen bitte KEINESFALLS paar Tage später unterstützend mit Massagen, Cranio oder sonst einer Hilfe hier wieder in das System eingreifen. Der Körper hat einen Input durch die Behandlung bekommen, kann mit Steifigkeit, Müdigkeit, Bewegungsunlust, mehr Energie an manchen Körperstellen dadurch reagieren. Das ist eine normale Reaktion. In dieser Zeit arbeitet der Körper des Pferdes auf Hochtouren, den erhaltenen therapeutischen Input zu verarbeiten, Schlackenstoffe abzubauen, neue Bewegungsmuster zu implementieren. Hier ist Zeit der entscheidende Faktor und nicht ein weiteres, zwar gut gemeintes, Eingreifen, das das ganze System wieder aus dem Gleichgewicht bringt.

Darum bitte, lasst den Reparaturmechanismus des Körpers in Ruhe und störungsfrei arbeiten.


 

Schlangenpferde

Sie neigen dazu, sich aufzurollen, sich hinter dem Gebiss zu verkriechen, werden im Halsansatz völlig instabil und verschieben die Schulter beliebig nach rechts und links.

Sie winden sich vor einem regelrecht wie eine Schlange, sobald man versucht, mit dem Gebiss Kontakt aufzunehmen. Auch werden sie gerne noch zusätzlich in der Krupp instabil und gehen krupprein und raus, man ist versucht, mit dem Schenkel dauernd gegen zu steuern, was ein gezieltes geradeaus Gehen dann noch unmöglicher macht.

Bei diesen Pferden gestaltet sich auch die Handarbeit als Zehenkiller für die mitgehende Person. Dazu nehme ich dann unbedingt nur den Kappzaum, damit ich den Kopf horizontal fixiere (kein Verwerfen zulassen) und richte das komplette Pferd über den Kopf (wohlgemerkt des Kopfes zu 1. HW und nicht Stellen des Kopfes bis zum 2. HW, also ich will kein Mähnenkamm-Kippen). Ich nehme den Kopf des Pferdes zwischen beide Hände, während ich vor dem Pferd rückwärts gehe und steuere mit leichtester Kopfstellung sehr sanft gegen. Sehr gerne wende ich in weiterer Folge dann das Schultervor oder leichtes Schultherein an und unterbinde auch hier jegliches Kopf/Halsverbiegen immer mit einem Gegensteuern des Kopfes.
Achtung: die Pferde reagieren IMMER zeitverzögert, das bedeutet einmal gegensteuern und dann ein paar Schritte auf Reaktion warten.

Geritten (mit Trense) versuche ich, mit den Zügeln in breiter Zügelhandführung leisen Kontakt aufzunehmen und Kopf/Hals zu Schulter gerade zu halten (wichtig, damit auch das Gebiss im Maul gerade bleibt). Beim über die Schulter gehen, oder Hals auf einer Seite rausdrücken, versuche ich ebenso nur mit leichtem einseitigen Faust-Schließen (Schwammtechnik: Daumen bleiben auf Zeigefinger und Faust drückt imaginären Schwamm aus) für 1 Sekunde die Kopfstellung zu verändern um so gegenzusteuern. WICHTIG! BEVOR das Pferd noch reagiert und seinen Hals wieder „reindrückt“, suche ich wieder diese leiseste Verbindung. (Wie ein Auto das ausbricht und ich mit dem Lenkrad versuche, es durch Gegenlenken wieder in die Spur zu bringen und einzufangen). Z.B. windet das Pferd seinen Hals nach rechts, schließe ich leicht rechte Faust und öffne fast sofort wieder bevor er beginnt, sich gegen diesen festeren Zug zu wehren und gleich die linke Halsseite rausdrücken würde. Außerdem rahme ich das Pferd mit den Schenkeln ein, dass es gegen meinen Schenkel läuft, wenn es in weiterer Folge Krupprein/raus geht. Wichtig!!! Ich drücke aber nicht mit dem Schenkel dagegen. Ich bilde lediglich eine echte Begrenzung

Dann beginne ich mit 8-er reiten in SEHR LANGSAMEN Tempo und versuche so die Spur zuhalten. Unbedingt den 4-Takt halten!!!!! Man spürt dann, wie das Pferd anfängt, bewusst jedes Bein vor das andere zu setzen und kadenzierter zu gehen. Atmen nicht vergesssen, sonst behindert man den Bewegungsfluss des Pferdes! Einatmen – Kopf wird von einer Schnur am Scheitel in die Höhe gezogen, bleibt dort in der Luft „stehen“ und beim Ausatmen Schultern nach hinten fallen lassen (nicht drücken) und weiter einmal rechtes und einmal linkes Becken leicht abkippen und jeweiliges Bein dabei schwer werden lassen. Dabei wandert der Nabel Richtung Lendenwirbeln. Man spürt wie man im Nacken, Brustbereich und/oder Lendenbereich entspannt bzw. leider manchmal ganz schön zieht. Die 8-er Übung ist für derlei Pferde sowohl körperlich als auch geistig extrem anstrengend, manche halten vor lauter Konzentration dabei den Atem an, daher wirklich nur 5 min und dann Zügel hinschmeißen und gerade entspannen und das Pferd in dem Tempo und in der Biegung gehen lassen, wie es ihm angenehm ist. Nach 2 Touren maximal !!wichtig!! anhalten und im STEHEN Zügel aufnehmen und wieder in langsamen Schritt wie oben beschrieben verfahren. Das Gleiche wende ich dann auch im Trab an.