Korrektes Schultherein beginnt im Rücken

Aus der Praxis: Ein Pferd mit massiven Rückenverspannungen, festen Schulter

Dieses Pferd (massive schmerzhafte Verspannungen im Bereich 13.-15. BW) führte das Konterschultherein nach 3-4 Anläufen im Körper unter großer Anstrengung zumindest für ein paar Schritte sehr schön aus und für seine Verhältnisse in einem 4-Takt, sehr ruhig, konnte es natürlich noch nicht auf die Gliedmaßen übertragen. ABER der Bewegungsablauf IM Körper war korrekt und damit war ich hochzufrieden. Kein Verdrehen des Halses, kein über-die-Schulter weglaufen, kein Verwerfen im Genick, Halsbasis war auch relativ locker geblieben, leichte Zügelverbindung .... Die Qualität des Schrittes war danach wirklich gut, Pferd war entspannt, der Schub von hinten kam durch und konnte jetzt über die Wirbelsäule bis nach vorne übertragen werden, um so die Schultern zu lockern, die davor die Stabilität erhielten und daher recht verspannt waren.

Es ist nicht leicht, diese Ansätze zu reiten und auch zu spüren, wenns beginnt richtig zu laufen. Man muss im klaren 4-Takt bleiben - was der Gradmesser für korrekte Gymnastizierung ist... das schwächste Glied in diesem 4-Takt gibt den Ton an und darauf baut man auf, das war in unserem Fall der Rücken! Dieser Bewegungsablauf ist gerade deshalb ungemein wertvoll - obleich nicht spektakulär und vermeintlich nicht richtig, wird die Bewegung aber in der tiefen Muskulatur (Wirbelsäule) bereits ausgeführt. Dass alleine diese Ansätze sehr schwer zu sehen sind, ist mir völlig klar. Die meisten sehen nur die Gliedmaßen, aber korrekt wird die Bewegung schon von der Wirbelsäule ausgelöst und gipfelt in den Gliedmaßen. Hätten wir bei diesem Pferd ein Konter-SH auf 3 Linien durchführen wollen, hätte sich das Pferd augenblicklich wieder in der tiefen Muskulatur verspannt, die Schultern wieder verfestigt und wäre mit festgehaltenem Rücken wieder passartig gegangen. Weniger ist mehr!

Die Dressur ist für das Pferd da, nicht das Pferd für die Dressur! Wenn man sich diesen Spruch vor Augen hält, ist alles gesagt!


 

Die Zwiebeltheorie - der Trainingsverlauf und die Entwicklung des Pferdes

Beim Training ist es meist der Fall, dass oft rasch eine deutliche Besserung eintritt. Doch plötzlich verschlechtert sich das Gangbild wieder, das Pferd beginnt an einem anderen Bein zu lahmen, kürzer zu treten, oder ähnliches.

Ich beschreibe diesen Prozess gerne mithilfe einer Zwiebel, man schält Schicht für Schicht der schmerzenden Probleme ab, die teilweise verdeckt waren. Kaum hat man eine Schicht erreicht und diese erfolgreich abgeschält, kommt ein tieferliegendes Problem zutage. Insgesamt sehe ich das als positives Zeichen, denn der Körper beginnt sich umzubauen. Eine Trainingsumstellung ist hier dann teilweise von einem zum anderen Tag notwendig, manchmal genügt es auch, wieder ein paar Trainingsschritte zurückzugehen und dem Pferdekörper abermals Hilfestellung zu geben, sich weiter zu regenerieren ohne ihn zu überfordern. Allzuoft laboriert man dann allerdings an den tieferen Problemschichten viel länger, als an denen, die akut zutage getreten waren und da heißt es dann, Geduld und dem Körper die Zeit für die notwendige Wiederherstellung zu geben.


 

Eine ständig schmerzende Eckstrebenbrücke

Hier eine Fotofolge. Schön zu sehen ist eine Eckstrebenbrücke, hier drückt das auslaufende Eckstrebenhorn in der Mitte des Strahls in den Strahl, bzw ist schon damit verwachsen und schmerzt ständig und verhindert, dass das Pferd hinten Last aufnimmt.

Mittleres Bild ist der Zwischenschritt, hier würden viele zu bearbeiten aufhören, die Sohle fühlt sich nachgiebig an, vermeintlich weich, doch wird mit Messer dünne, spröde Schicht (ES!!) weiter abgetragen, der Schichtteil springt weg, darunter Grieselhorn, sprich Verfallshorn -> doppelte Sohle... defacto ist das ein Sohlen/Eckstrebenhorn/altesSohlen-Sandwich


Foto 1: umlaufende Eckstreben am unbehandelten Huf

Foto 2: Zwischenstufe, platter Strahl, kann sich nicht mehr ausdehnen, da scheinbar Gewölbe zugewachsen, wahre Sohle muss tiefer liegen!

Foto 3: nächste Schicht abgetragen, die Eckstrebenbrücke freigelegt.

Hinweis: tiefe Strahlfurche - Brücke - tiefe Strahlfurche zur Strahlspitze hin! Eckstreben drücken seitlich auf bzw in den Strahl. Vergleicht man auch mittleres mit letztem Bild sieht man, dass plötzlich die vermeintlich helle Sohle (Eckstrebenhorn, das die dunkle Sohle bedeckt) dünkler wird. Wahrscheinlich liegt Eckstrebenhorn großflächig über der Sohle und das schon seit vielen Jahren. Siehe auch an der Zehe die Stellen mit Pfeilen gekennzeichneet, wo man eben die dunkle Sohle durchkommt!


 

La Yarda Theorie Videos

Meine Arbeitsweise ist sehr durch mein Training mit Pferden nach Verletzung in der Aufbau-Phase geprägt, aber auch durch  notwendiges Korrekturtraining bei Schonbewegungen, wissend, dass oft nur ein kleiner Schritt notwendig ist, um von einem Korrektur- zu einem Rehab-Fall zu werden. Ich erkläre Lektionen immer aus der Sicht (re/li) des Pferdes und verwende andere Ausdrücke, versuche immer, alle Bewegungen aus der in dem Moment verfügbaren Mobilität der Wirbelsäule durchzuführen.

Alles zielt auf die Stabilisierung der Wirbelsäule und der Harmonisierung der Bewegungen der einzelnen Wirbelkörper ab, nur wenn sie frei und mobil sind, ist der ganze Organismus in seinen übrigen Arbeitsmöglichkeiten (Muskeln, Organe, Nerven, Sehnen etc) ungehindert und kann sich frei nach deren momentanen Möglichkeiten entfalten und Korrekturen zur Optimierung vornehmen.

Für diese Arbeit benötige ich zu allererst mobile Kiefergelenke und ein lockeres Zungenbein (respektive die entsprechende Muskulatur wird dadurch gelockert), damit beeinflusse ich positiv das Genick, was ich durch spezielle Kauübungen überprüfe bzw. mobilisiere. Weiters erhalte ich durch diese Kau- und Zungenbewegungen eine mobilere Halswirbelsäule und damit mehr Bewegungsmöglichkeit und Nutzen für die restliche Wirbelsäule. 

Diese Art der gesamtheitlichen Korrektur benötigt oft deutlich mehr Zeit, da sämtliche falsche Bewegungsmuster bzw. die  entsprechende Muskulatur durch Nichtnutzung ausgehungert wird. Diese oft recht erheblichen Veränderungen betreffen die gesamte Struktur. Dadurch sind Sie nachhaltig und tragen zur Gesundung des gesamten Organismus bei.

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Trachtenzwang

Lahmheit - Hufrollenbefund - Zwanghuf

In der Klinik attestierte man links vorne eine Hufrollenentzündung, das Gelenk wurde eingespritzt. Leider lahmte das Pferd weiterhin, es wurde ein Spezialbeschlag angebracht.

2 Wochen danach Beginn des Trainings zum Lockern der Brustkorbaufhängung, der Schultern sowie des Halses, was gut anschlug. Das eigentliche Problem des Pferdes war meiner Meinung nach der massive Zwanghuf und die Fehlstellung sowie die daraus resultierenden Verspannungen, weshalb die Hufeisen eine Woche später abgenommen wurden, ohne weiter bearbeitet zu werden.

Der Trachtenzwang mit umgelegtem, der Strahlspitze umlaufenden Eckstrebenhorns war deutlich zu sehen.

Nach erfolgter Hufbearbeitung geht das Pferd von Schritt zu Schritt besser und entspannt sich. Das Training wird fortgesetzt und fruchtet immer mehr.

Durch die Nagellöcher ist die Wand brüchig und spröder, die Statik wurde durch das Öffnen des Zwanges mit deutlicher Verbesserung des Gangbildes verändert, daher brach ein Teil der seitlichen Hufwand aus, das das Pferd jedoch nicht beeinträchtigte und das Pferd aber keinerlei Lahmheiten oder Schonung zeigte. Hufschuhe wären in der Übergangszeit eine Option gewesen, die jedoch nicht notwendig waren. Der Huf wurde bearbeitet, nach der 2. Bearbeitung war nichts mehr von dem Ausbruch zu sehen. Das Training wurde ohne Unterbrechung zügig weiter durchgeführt.

Durch das Training wurden die massiven Verspannungen beseitigt, das Pferd kann 1 Monate nach Beginn des Trainings wieder leicht geritten werden und wird mittlerweile wieder auf allen Böden voll belastet. Ein großes Augenmerk muss, aufgrund des Hufrollenbefundes, auch in Zukunft auf ein gutes Hufmanagement gelegt werden.